Der Pfefferberg und seine Geschichte

Publikation

Die Broschüre „Pfefferberg – Geschichte und Gegenwart einer ehemaligen Brauerei“ enthält auf über 100 Seiten historische und aktuelle Fotos vom Pfefferberg-Gelände und aufschlussreiche Informationen zu Geschichte und Sanierung des Geländes. Herausgeberin: Stiftung Pfefferwerk, November 2024 (überarbeitete Neuauflage) 

Kosten: 10 Euro

Die Broschüre kann direkt bei uns bestellt werden.  

Mail: info@stiftung-pfefferwerk.org 
Tel: +49 (0)30 443 83 377 

Außerdem kann die Broschüre im Aedes Architekturforum auf dem Pfefferberg zu den Öffnungszeiten (Mo 13:00–17:00 I Di–Fr 11:00–18:30, So 13:00–17:00) erworben werden.

Eine Postkarte, am Rand beschrieben, zeigt den Pfefferberg , Eingang Schönhauser Allee, aus der Vogelperspektive. m Hintergrund ist der Schornstein der Brauerei zu sehen. Im Vordergrund sieht man die Treppen, die zum Biergarten hinauf führen. Er ist links und rechts eingerahmt von prunkvollen Gebäuden.

1841 | Gründung der Brauerei

Vor den Toren Berlins, am südlichen Ausläufer des Barnims, erwarb der aus Bayern stammende Joseph Pfeffer im Oktober ein unbebautes Grundstück. Darauf errichtete er eine Brauerei untergäriger Brauart, die erste ihrer Art in Berlins nördlicher Vorstadt. 1844 eröffnete er das Bierzapfungslokal mit Biergarten, musste aber schon 1851 zwangsweise verkaufen.

1861 | Übernahme durch Schneider und Hillig

Mit den neuen Besitzern Friedrich Ernst Hillig und Johann Leonhard Friedrich nahm die Entwicklung der Brauerei ab 1861 einen beträchtlichen Aufschwung. Eine rege Brautätigkeit setzte ein. Weitläufige Kelleranlagen entstanden. Die Bierproduktion auf dem Pfefferberg stieg sprunghaft an, der Absatz florierte. Der vormalige Handwerksbetrieb entwickelte sich zu einem Industriebetrieb und wurde ein beliebtes Ausflugziel. Spätestens ab 1872 war der Name „Pfefferberg“ für das Areal gebräuchlich. 1919 verschmolz die Brauerei mit der Schultheiß AG.

Eine Grafik mit blauer Schrift: Bairischbier-Brauerei von Schneider und Hillig, Berlin, Schönhauser Allee 176 und Christinenstr. 18 und 19
In einem großen Raum mit kleinen Rundfenstern sind viele Säcke stehend gelagert. Ein Arbeiter fährt einen Sack auf der Sackkarre weg und zwei Mitarbeiter stehen zusammen und gehen Listen durch.

1921 | Stilllegung des Brauereibetriebs und Umnutzung als Schokoladenfabrik und Groß-Bäckerei

Mit dem Ende des 1. Weltkriegs mussten viele Brauereien in der nördlichen Vorstadt aufgrund der Lieferengpässe und Rationierungen schließen. Auf dem Pfefferberg wurde der Betrieb 1921 eingestellt. 1922 erwarb die Hoffmann Schokolade Kommanditgesellschaft auf Aktien das Areal und baute es für die Schokoladen- und Pralinenproduktion um. 1926 kam die Einkaufsgenossenschaft der Bäcker und Konditoren von Groß-Berlin e.G.m.b.H. (EBK) als weiterer Gesellschafter hinzu. Anfang der 1930er Jahre pachtete die Germania Brotbäckerei Gebäude auf dem Gelände und produzierte dort bis zum Ende des 2. Welt­krieges. Die Zivilbevölkerung fand bei Bombenalarm in den Tiefkellern Zuflucht. Oberirdisch hinterließen Bombentreffer erhebliche Schäden an mehreren Gebäuden.

1946 | Einzug der „Neues Deutschland“ Druckerei
und Verlag GmbH

1945 wurde der Pfefferberg enteignet und später in Volkseigentum überführt. Im Sommer 1946 zogen Druckerei und Verlag des „Neues Deutschland“ ein. Rund 370 Mitarbeiter*innen waren hier tätig. Schrittweise verlagerte man die Zeitungsproduktion auf andere Standorte. 1973 verließ der Verlag den Pfefferberg endgültig.

Die Kommunale Wohnungsverwaltung Prenzlauer Berg übernahm nun Verwaltung und Nutzung des Pfefferbergs. Eine Mischnutzung prägte das Gelände, darunter Büros und Werkstätten verschiedener handwerklicher Gewerke. Außerdem gab es eine Kantine, die die Arbeiter aus den umliegenden Betrieben versorgte. Das Gelände verfiel zunehmend.

Das historische, bräunliche Foto zeigt die großen, mechanischen Produktionsanlagen der Druckerei "Neues Deutschland". Auch hohe Papierstapel sind zu sehen.
Der Eingang zum Pfefferberg an der Schönhauser Alle 176 in schwarzweiß fotografiert. Man sieht ein Veranstaltungsplakat und mit Graffitti besprühte Rundbögen. Am Schonstein des Gebäudes hinter den Arkaden des Pfefferbergs ist ein riesiger Zapfhahn (Skulptur) zu sehen

1990 | „Kulturfabrik Pfefferberg“

1987 beauftragte der Berliner Magistrat das Institut für Städtebau und Architektur mit einer Studie, die Vorschläge für die künftige Entwicklung und Nutzung des Geländes unterbreiten sollte. Die Architekten Uwe Salzl und Bertram Vandreike entwickelten das Konzept „Kultur­fabrik Pfefferberg“.

Mit dem Fall der Mauer und dem Einigungsvertrag ging die Immobilie im Oktober 1990 ideell zu gleichen Teilen in das ­Eigentum der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Berlin über. Zu dieser Zeit war nur noch ein Zehntel der Nutzfläche vermietet.

Die Initiatoren der „Kulturfabrik Pfefferberg“ hielten an ihrer Idee fest. Mit Verbündeten – Kiezbewohner*innen, Kunstschaffenden und engagierten Menschen aus Politik und Verwaltung – gründeten sie 1990 den Pfefferwerk Stadtkultur e.V. Dieser Verein konnte einen Teil des Geländes anmieten und verwandelte den Pfefferberg in ein Zentrum sozialer, künstlerischer sowie kleingewerblicher Aktivitäten. Neue Aktivitäten erfordern neue Strukturen, und so gründete der Verein schon 1991 mit der Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH eine Tochter, die neue Arbeitsfelder erschließen, Raum zur Entfaltung entwickeln und neue Arbeitsplätze schaffen sollte.

1999 | Der langfristige Erhalt des Pfefferbergs als Kulturstandort gelingt

Mitte der 1990er Jahre verzeichnete der Veranstaltungsbereich bereits jährlich mehrere Zehntausend Besucher*innen. Weltmusik und Tanztheater zählten zu den konzeptionellen Schwerpunkten. Parallel zum laufenden Kulturbetrieb und der soziokulturellen Arbeit ging die Auseinandersetzung um die Zukunft des Geländes weiter. Im Dezember 1999 konnte die Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH das Gelände erwerben. Dies wurde durch die Unterstützung der für Arbeit zuständigen Senatsverwaltung des Landes Berlin möglich. Das Grundstück wurde als Stiftungskapital in die neu gegründete Stiftung Pfefferwerk eingebracht und Erbbaurechte an die zukünftigen Nutzer ausgereicht. Von 2004 bis 2011 erfolgte die denkmalgerechte Sanierung, bis 2020 entstanden drei Neubauten auf dem Gelände.

Aus der Vogelperspektive schaut man auf einen Hof auf dem vor historischen roten backsteingebäuden Sandberge aufgeschüttet sind, ein gelber Bagger steht, Zäune aufgestellt sind und ein Lastwagen parkt
Am Eingang zum Christinenstraße zum Pfefferberg laufen in der Abendsonne vor dem historischen Fabrikgebäude mit gelb und roten Backsteinen zwei Personen über den Platz. Rechts ist das moderne Gebäude des Museums für Architekturzeichnung aus Beton zu sehen und links das ebenfalls neu errichtete Atelierhaus mit seiner Fensterfront mit silbernen Aluminium-Jalousien.

Der Pfefferberg I heute

Wer heute über den Pfefferberg geht, findet eine vielfältige und spannende Nutzungsmischung. Die denkmalgeschützte, vollständig sanierte Bausubstanz und die entstandenen Neubauten beherbergen Galerien, ein Museum für Architekturzeichnung, Ateliers und Werkstätten für Künstler*innen, Veranstaltungsräume, Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten.

Und auch soziale Themen wie die Integration von Menschen mit Beeinträchtigungen oder die Ausbildung benachteiligter Jugendlicher haben auf dem Gelände ihren Platz gefunden. Den Alltag auf dem Pfefferberg kennzeichnet Internationalität – bei den Nutzungskonzepten ebenso wie bei den hier ansässigen Akteur*innen. 

Seit 2017 ist der Pfefferberg Schauplatz der Berliner Industriekultur und Teil der Europäischen Route der Industriekultur